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Stv. Vorstandsvorsitzender Conrad Albert © prosiebensat.1 media se

ProSiebenSat.1 zerstreut Übernahmegerücht

Vizechef in Wien: „Bei uns haben sich keine Kaufinteressenten gemeldet“.

Der deutsche Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hält eine Übernahme durch seinen italienischen Kooperationspartner Mediaset für ausgeschlossen. "Wenn ich auf die harten Fakten schaue und mir die Bilanz von Mediaset anschaue, weiß ich, dass eine Übernahme völlig illusorisch ist", sagte Vizechef Conrad Albert am Donnerstag im Reuters-Interview.

Zur Frage einer möglichen Fusion beider Unternehmen wollte sich Albert hingegen nicht äußern. Der italienische Konzern, der von der Familie des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beherrscht wird, hat sich wiederholt für einen Zusammenschluss europäischer TV-Anbieter ausgesprochen. Zuletzt plädierte Mediaset-Verwaltungsratschef Fedele Confalonieri für einen Zusammenschluss mit "den Deutschen", schränkte aber ein, ein solches Vorhaben hänge nicht allein von Mediaset ab.

Mediaset schrieb mit seinen Sendern in Italien und Spanien im vergangenen Jahr 471 Mio. Euro Gewinn. ProSiebenSat.1 wird an der Börse mit 3,27 Mrd. Euro bewertet. Der Aktienkursverfall von mehr als 50 Euro vor gut drei Jahren auf derzeit rund 14 Euro hatte Spekulationen genährt, dass ProSiebenSat.1 zum Übernahmekandidaten werden könnte. "Dazu kann ich nichts sagen", erklärte Albert. Er halte die Aktie für unterbewertet. Der Vizechef verneinte jedoch die Frage, ob sich Kaufinteressenten bei ProSiebenSat.1 gemeldet hätten.

Medienkonzerne sehen sich zunehmend von Technologieriesen wie Google und Facebook bedrängt, mit denen sie um Werbeerlöse konkurrieren. Zudem macht die wachsende Popularität von Online-Videodiensten wie Netflix und Amazon Prime den Fernsehsendern zu schaffen. ProSiebenSat.1 rechnet deshalb damit, dass Medienunternehmen in Deutschland, Europa und auch weltweit enger zusammenrücken. "Es wird in vielen Bereichen eine Konsolidierung geben, wenn nicht geben müssen", sagte Albert.

Vorerst will sich ProSiebenSat.1 jedoch auf den Ausbau seiner Partnerschaft mit Mediaset und weiteren europäischen Fernsehkonzernen konzentrieren. In der vor fünf Jahren gegründeten "Europäischen Medienallianz" haben sich zwölf TV-Unternehmen verbündet, darunter auch der französische Anbieter TF1. Die Zusammenarbeit, die bisher nur wenige gemeinsame Aktivitäten hervorbrachte, soll Albert zufolge nun vertieft werden.

Die zum Großteil werbefinanzierten Konzerne müssten gegenüber ihren Kunden aus der Werbewirtschaft "viel selbstbewusster, lauter, einheitlicher" auftreten, forderte der Manager. Die Werbekunden zeigten großes Interesse an Alternativen zu Google und Facebook. "Wir sehen im deutschsprachigen Markt gerade eine brutalen Nachfragedruck von der Kundenseite: Bietet uns doch was Eigenes an."

 

APA/red/kr

Bildcredit: prosiebensat.1 media se